Donnerstag, 23. April 2015

The Read Heart Queen

 "Hierzulande musst du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst.[1]


Das hat die rote Monarchin gut erkannt. Und das finde nicht nur ich so, das hat Leigh Van Valen 1973 bereits erkannt. Er lehnt seine Red-Queen-Hypothese[2] an diese Aussage an. Diese besagt, dass eine Art in der Natur ständig leistungsfähiger werden muss, um ihre aktuelle Stellung aufrechtzuerhalten.
Laut der Hypothese ist sexuelle Fortpflanzung aufwendiger, als eine Jungfernzeugung. Man braucht zwei Menschen, um einen neuen zu zeugen. Und das ist auch gut so, nicht dass Männer sonst überflüssig wären, nein, durch die Vermischung der Gene haben Parasiten keine Chance. Lebensformen, die sich alleine fortpflanzen können, sind nämlich schnell vom Aussterben bedroht.
Man kennt das zum Beispiel von den Grippewellen. Einmal an einer Grippe infiziert, bekommt man diese Grippe nicht mehr, doch die Grippeviren sind erfinderisch und setzen sich neu zusammen, sodass man wieder an einer Grippe erkranken kann.


Aber nicht nur auf die Biologie ist diese Aussage anwendbar, auch auf das heutige Leben. Bei beliebten Serien wie Game of Thrones, Reign oder The White Queen sieht man, dass die Adligen erfinderisch und ihren Gegnern immer überlegen bleiben müssen, um ihre Stellung zu wahren.
Die Gehaltserhöhung ist zwar gut und schön, aber wirklich mehr leisten kann man sich davon meist nie, denn alles wird teurer. Und wer früher im Job mit einer Schreibmaschine umgehen konnte, musste sich wohl oder übel auch die Fähigkeit einen Computer zu bedienen aneignen, um keine personenbedingte Kündigung zu kassieren.
Als ich noch zur Schule ging, gab es Tafel und Kreide. Jetzt in der Berufsschulzeit sieht man nur noch Whiteboards. Und wer weiß, in 10 Jahren gibt es vielleicht kein Zettel und Stift mehr in der Schule, sondern nur noch Tablets.

Ob all die Veränderungen gut und schön sind, kann man bestreiten. Sicher ist jedoch, man muss sich stetig weiterentwickeln, am besten der Konkurrenz immer eine Nase voraus. Ein Wettrüsten gegen die Zeit der Veränderungen. Mir persönlich fällt dies vor allem im Internet auf. Früher gab es einmal E-Mails und Foren, dann kamen ICQ und Skype, man kommunizierte über wer kennt wen und schließlich wechselte alles zu Facebook. Bei anderen Fotografen sehe ich nun, dass viele bei Twitter und Instagram unterwegs sind.
Früher habe ich Shootinganfragen über wkw erhalten. Als ob dort eine Epidemie ausgebrochen wäre, verschwanden dort nach und nach die Interessenten. Und wollte man die alten Arbeiten seiner Lehrer haben, musste man wohl oder übel in die Facebookgruppe der Klasse eintreten. Damals habe ich mich damit sehr schwer getan und auch jetzt bin ich nicht der größte Freund von dem sozialen Netzwerk. Während man die Leute mühsam dazu bringt, sich für die Fotoarbeiten zu interessieren, muss man eine gewisse Regelmäßigkeit der Posts beibehalten, um diese Leute auch zu halten. Erfolg wird an Likes gemessen. Dabei möchte ich doch nur meine Fotos, hinter denen viel Kreativität und Arbeit steckt, für andere zugänglich machen.

Für mich stellt sich die Frage: Brauche ich das soziale Netzwerk überhaupt? Für die Eigenwerbung ist es gut, doch die meisten Anfragen habe ich in letzter Zeit durch Mund zu Mund Propaganda erhalten. Um Kontakt zu Freunden zu halten, dient Facebook außerdem. Doch meinen Freund habe ich auch frei von Facebook oder WhatsApp kennengelernt. Wenn ich was wissen will, rufe ich an. Wenn ich ihm Fotos aus den neusten Shootings zeigen möchte, schicke ich eine E-Mail. Das funktioniert wunderbar. Dagegen habe ich schon die ein oder andere Beziehung zu Bruch gehen sehen, weil der Partner bei WhatsApp nicht schnell genug geantwortet hat, aber zwischendurch online war. Viele haben den Druck immer online zu sein, immer erreichbar: Das führt unter anderem zu Stress. In der Schule unterhält man sich in der Pause nicht mehr, sondern jeder starrt nur auf sein Handy. Akkuprozente sind wichtig, denn wie sonst soll man den Unterricht überstehen, wenn man nicht jederzeit antworten kann? Wer nicht präsent ist, „ist“ auch nicht.[3]

Ziehen wir daraus eine Moral:

"Scheine, was du bist, und sei, was du scheinst, oder einfacher ausgedrückt: Sei niemals ununterschieden von dem, als was du jenem in dem, was du wärst oder hättest sein können, dadurch erscheinen könntest, dass du unterschieden von dem wärst, was jenen so erscheinen könnte, als seiest du anders!"[4]

Passend zum Post starten wir also ein Experiment und deshalb gibt es für euch hier unsere Seite.












[1] Zitat: Carroll, Lewis: Alice hinter den Spiegeln 
[3] Vgl. http://www.neon.de/ 
[4] Zitat: Carroll, Lewis, Alice im Wunderland, Insel Verlag 2013, S. 93
Fotos: Bjørn Hennicke Fotografie

Kommentare:

  1. ich mag die bilder sehr, besonders weil ich mich auch für alles, was mit ''alice im wunderland'' zu tun hat, begeistern kann :D aber auch den text finde ich sehr interessant und gut geschrieben. es ist wirklich schade, wie sich die ganze welt scheinbar immer schneller dreht und man vor lauter informationen und nachrichten gar nichts mehr so richtig mitbekommt, sondern nur halb oder viertel. ich find's auch besonders schade für künstler wie dich, die sich so viel mühe mit ihren werken/bildern etc. geben und dann aber aufgrund der fehlenden geduld der ''konsumenten'' nicht die anerkennung erhalten, die sie eigentlich verdient hätten. ich hoffe, dass sich das irgendwie noch zum besseren ändern wird..

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    1. Das freut mich valhalla, dass du mich als Künstlerin siehst =)
      Um seine Aufmerksamkeit muss man heutzutage eben kämpfen: Es gibt bestimmt noch viel mehr, die sich für die Fotos und Texte interessieren, sie müssen es nur gezeigt bekommen.

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  2. Sehr interessanter Artikel. Da ist durchaus etwas wahres dran.
    PS: Bin stolz auf unsere Fotos!

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    1. Danke Nina =)
      Oh ja ich auch und ich freue mich auf Teil 2 =)

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