Donnerstag, 16. April 2015

Musik als Sprache? Musik ist Sprache!




Manchmal lässt sich ein „Fick dich“ oder ein „Ich mag dich“ besser mit den Augen sagen als mit Worten (siehe auch „Körpersprache Lexikon“ - Erscheinungstermin 30.04.15). Noch besser als mit dem Körper kann Musik ausdrücken, was wir fühlen, was uns bewegt und was wir vielleicht nicht imstande sind, in Worte zu fassen. Dabei kann es um den Text, lediglich die Melodie oder eine Mischung aus beidem gehen. Im besten Fall passt der Text zum Klang. 

Ich glaube, uns ist oft gar nicht bewusst, wie sehr wir von Musik beeinflusst werden. Sie kann unsere Stimmung aufhellen, niederschlagen, unterstützen und vollkommen ändern -  wenn wir uns denn darauf einlassen. Ein Beispiel: Es ist Kinoabend, man sitzt im brandneuen „SAW XXVIII“. Als sei man nicht schon angespannt genug, dass sie sympathische 20jährige im Minikleid nachts allein durchs Dorf geht, nein! - plötzlich wird die langsame Geigenmelodie eingespielt. Und der gesamte Saal hält den  Atem an. Ein Heiratsantrag würde zu so einer Musik nicht funktionieren. 


Musik wird ständig operationalisiert. Ein weiteres Beispiel ist die Produktwerbung. Ein „Meister Proper“-Spot zu Metallicas „Whiskey in a Jar“? Warum eigentlich nicht, denken bestimmt viele. Doch das Konzept würde seine Wirkung verfehlen. Denn es geht meistens genau darum: die richtige Wirkung.
So auch, wenn man mit Musik eine Botschaft übertragen möchte. Und das nur mit Musik. Die großen Künstler dieser Welt wälzen sich nachts schlaflos von links nach rechts, um eine Antwort auf die Frage zu finden, welche Tonfolge welche Gefühle hervorruft. Welche sich reimenden Zeilen machen das Gesamtpaket komplett – und mich berühmt?

Ich schreibe diesen Artikel, während gerade Bon Jovis „Always“ läuft. Er besingt darin eine Beziehung, die in die Brüche gegangen ist. Er wird das Mädchen jedoch für immer lieben. Sie hat ihn verlassen, was ihn schwer traf. Nun resümiert er die gemeinsame Zeit und macht klar, dass er immer (für sie) da sein wird. Selbst wenn der Hörer den Text nicht kennt, erkennt er den Schwermut des Songs. Bon Jovi schafft es, die Trauer das gebrochene Selbst des Protagonisten auszudrücken, und dennoch wirkt der Song nicht hoffnungslos. Er vermittelt ein „es wird schon irgendwie weitergehen“. Der Protagonist verliert dabei nicht seinen Stolz. Das Gefühl, welches der Song vermittelt, kennen viele. Und nicht einmal 1.000 Worte könnten es so genau treffen.

Letztens spielte ich ein Spiel mit einem guten Freund. Wir nannten uns gegenseitig Szenarien und sollten einen passenden Song dazu finden. Als er einen Rockstar nach einem Gig vor 20.000 Leuten porträtierte, kam mir direkt „Rock you like a hurricane“ von den Scorpions in den Sinn. Musik und Gefühle gehen Hand in Hand. Und da sich das Leben um gute Gefühle dreht, dreht es sich auch um gute Musik.



So ist es manchmal das Einfachste, Dinge, die man nicht aussprechen kann, in einen Song zu verpacken. Egal, ob man selbst Songs schreibt oder nur passende auswählt. Dabei geht es nicht nur um Kummer und Grusel. Welcher Song könnte ein unendliches Glücksgefühl besser potenzieren als „Walking on Sunshine“? Und die Wirkung von „You can leave your hat on“ im Schlafzimmer brauche ich gar nicht erst ansprechen. 

Wenn die Augen der Spiegel der Seele sind, dann ist Musik ihre Sprache. 












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