Donnerstag, 16. Juli 2015

Masters of Rock 2015 - do you speak english?

1000 Kilometer quer durch Europa. Einige würden sagen "Ihr seid doch verrückt", doch die wissen auch nicht welche Qualitäten ein Tschechisches Festival zu bieten hat. Also leiste ich heute einmal etwas Aufklärungsarbeit. :-D

Das Masters of Rock in der Mährischen Wallachei im Örtchen Vizovice (allein Within Temptation hat sich getraut den Namen auszusprechen, die anderen, nicht heimatisierten Bands haben immer Czech Republik gesagt), ging dieses Jahr in die 13. Runde mit rund 50.000 Besuchern (laut Wikipedia). Für einen Ticketpreis von umgerechnet ca 50€ gab es 4 Tage lang Metal pur. Das diesjährige Line up war besonders für Symphonic Metal Fans ansprechend mit Bands wie Nightwish, Within Temptation, Delain, Kamelot oder Xandria = meine persönlichen Highlights.
Neben der Ronnie James Dio Stage, deren Programm vollkommen nach Plan ablief, mit kurzen Umbaupausen und wahnsinnig tollen Bühnenshows, gab es auch noch eine kleinere Bühne für Nachwuchsbands, oftmals aus dem eigenem Land.
Das Wetter hatte dieses Jahr alles zu bieten: brennende Hitze, eisige Kälte, Regenschauer... - einzig der Schnee hat sich nicht blicken lassen. Dem betonierten Konzertgelände hat das aber nichts weiter ausgemacht. Wasserfontänen durch die Feuerwehr sorgten für Abkühlung, kalte Duschen gab es für 30 Kronen, ansonsten konnte man sich auch im nahegelegenem Bach ein wenig Erfrischung holen: Oder man macht es wie wir und fährt nach Zlín ins Schwimmbad (Auf die Idee kamen übrigens auch andere Festivalbesucher).
Eine eigene Festivalwährung wie Munten in Holland oder Bons auf dem E-Tropolis Festival gab es zum Glück nicht: Wäre ja noch schöner sein Geld erst in Kronen tauschen zu müssen und dann noch einmal in eine andere Festivalwährung: Preistransparenz adé! Zu einem gutem Kurs konnte man vor Ort Euros in Kronen tauschen, nur nicht mehr zurück. Da die Shoppingmöglichkeiten sich weit über das Festivalgelände hinaus erstreckten, stellte das Kronen-Loswerden kein Problem dar. Merchandise, CDs, Accesoires: Alles was das Metal-Herz begehrt zu günstigen Preisen. Auch Essen und Trinken gab es günstiger als auf deutschen Festivals. Einzig der Penny nahm sich nicht viel gegenüber zu deutschen Preisen (nur Donuts waren vieeeeel günstiger).

Wer sich jetzt über die Überschrift wundert: Wir haben uns die meiste Zeit auf Englisch verständigt. In unserem Camp waren wir mit Tschechen, Ungarn und ich glaube halben Österreichern (sie konnten zumindest österreichisches Deutsch) und manch einer hatte bei so vielen Sprachen nach einer Woche Gulasch im Kopf. Hände und Füße sind zum Übersetzen aber auch zum Einsatz gekommen. Besonders lustig ist folgendes Spiel: Man versucht einem betrunkenem Tschechen ein besonders kompliziertes Wort wie "Dampfschiffahrtsgesellschaft" beizubringen und er wiederum einem Deutschem ein tschechisches Wort. Spaß garantiert!
Besonders zu erwähnen ist die Gastfreundschaft der Leute dort. Wir haben uns rundum wohl gefühlt und sind sogar bekocht worden! Ein Schwimmbadbesuch wurde organisiert und die Speisekarten übersetzt, um einmal ein paar Dinge zu erwähnen. Da es Probleme bei der Aussprache des ein oder anderem Namens gab, haben wir sogar englische Spitznamen verwenden dürfen :-D.

Die Stimmung vor der Bühne war brodelnd: Nicht zuletzt durch die sengende Hitze, auch die Bands heizten die Stimmung an. Donnerstag angefangen mit Xandria, Kamelot, U.D.O. und Within Temptation. Kleinere Leute durften sich einfach einen Hocker mitbringen, um besser sehen zu können. Oder man schaute sich einfach über eine der 3 Leinwände das Konzert aus nähster Nähe an. Plätze auf den Tribünen mussten rechtzeitig gesichert werden, Campingstühle auf dem Gelände waren aber auch erlaubt.
Diese Hocker hielten die Leute jedoch nicht vom pogen ab. Gerade bei The Exploited am Samstag ging es richtig zur Sache. Nun aber mal der Reihe nach: Freitag dachten wir, dass wir durch den Schwimmbadbesuch Avatar verpassen würden, doch durch eine kurzfristige Änderung (und damit der Einzigen) haben wir die Band am Samstag doch noch zu sehen bekommen. Übrigens die Überraschung des Tages für mich. Noch nie etwas von der Band gehört, fand ich vom Zeltplatz aus, dass sich das nicht schlecht anhört und war 2 Songs später vor der Bühne und hatte nicht Neonfly vor der Nase, sondern die Band, von der die anderen die ganze Zeit geschwärmt haben.
Da ich Black Label Society und Legion of the Damned schon gesehen hatte, habe ich mir am Freitag nur Hammerfall angesehen: Wunderbare Klassiker und eine grandiose Stimmung.
Neben den eben schon genannten Bands gab es Samstag für mich noch ein bisschen was von Dymytry zu sehen, mal wieder Delain mit einer wunderbaren Sängerin und einer energiegeladenen Show, Gotthard aus der Ferne (Pinsel Äffchen würde mich erschlagen, wenn ich mir die Chance entgehen lasse eine ihrer Lieblingsbands zu sehen) und Powerwolf am Abend. Ein musikalisch gelungener Tag.
In kochender Hitze am Sonntag gab es Lacrimas Profundere zu sehen, vor der Bühne war es recht leer, da die Leute sich in den schützenden Schatten verzogen haben. Den deutschen Gothic Metalern machte das aber nichts aus, sie heitzen das ohnehin schon schwitzende Publikum noch weiter an.
Nachdem ich letztes Jahr im November per Zufall Arkona zu sehen bekommen habe, musste ich mir die Russen dieses Jahr unbedingt noch einmal ansehen. Musikalisch gesehen nicht ganz mein Favorit, dafür eine unglaubliche Stimmung, die Lust auf Headbangen bot (das gab es auf diesem Festival allgemein sehr wenig). Ein kleiner Circle Pit wuchs an, bis er sich fast durch die ganze Bühnenbreite durchs Publikum erstreckte. Und auch nur bei dieser Band wurden Crowd Surfer gesichtet (diese wurden von der Security allerdings so böse angesehen, dass sie Angst um ihr Bändchen bekamen).
Sonata Arctica als Power Metal Band sorgte weiterhin für gute Stimmung, bis Gamma Ray den Abend für Nightwish einleutete. Floor Jansen das erste Mal mit auf diesem Festival hinterließ einen bombastischen Eindruck!
Übrigens kenne ich das tschechische Wort für Zugabe immer noch nicht. Ist wohl nicht üblich die Band mit diesem Wort wieder auf die Bühne zu holen. Within Temptation kam mit den Worten zurück, dass es Backstage zu langweilig war.

 

Anmerkungen am Rande:

• Die Schlange an der Autogrammstunde war übrigens bei jeder Band gigantisch. Deshalb habe ich es mir geschenkt welche zu sammeln.
• Meine Englischkenntnisse reichten so weit aus, dass ich die Witze, die die Jungs im Camp erzählt haben, soweit verstanden habe, bis die Poente kam. Äußerst ungünstig.
• Man muss bei den Tschechen  übrigens aufpassen was man sagt. Viele trauen sich nicht Deutsch zu sprechen, obwohl sie es in der Schule hatten. Der attraktive Typ von nebenan, wusste also die ganze Zeit, dass wir ihn attraktiv fanden, ups.

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