Donnerstag, 23. Juli 2015

Traumreisen, Episode 2: Portugal


R8 in Aktion auf der Rennstrecke in Portimao

Wir schreiben Juli im Jahre 2015. In Deutschland wechseln sich Hitzewelle und Regenperiode ab, ein typischer deutscher Sommer. Die perfekte Zeit, um in den sonnigen Süden zu fliehen. Cluburlaub und Pauschalreise? Von wegen!


Produktpräsentation des LMS vor der Riesen-LED-Wand
Wenn schon, denn schon. So fliege ich zu Freunden an die portugiesische Atlantikküste, um den neuen Audi R8 auf der Rennstrecke in Portimao in Aktion zu erleben. Freitagmorgens um 6 geht es los zum Flughafen Köln/Bonn, um dort nach intensiver Kaffeeinfusion in den Flieger nach München zu steigen. Kurz Umsteigen, und weiter geht es nach Faro. Dort angekommen, wird kurz die Crew am Flughafen begrüßt. Die Arbeit vor Ort sieht folgendermaßen aus: Audi hat sich in den Kopf gesetzt, den neuen R8 so gut wie möglich zu vermarkten. Dafür werden zwei Wochen lang Reporter eingeflogen, die für einen Tag Programm geboten bekommen. Erst eine Einführung bei Ankunft am Flughafen, dann die Fahrt zur Rennstrecke, wo Begrüßung, Informationsfilm und ein metaphorischer Sektempfang stattfinden. Als Krönung der Promotion-Show darf die Presse den Wagen selbst probefahren. Zuerst wir die Rennstrecke unsicher gemacht, danach das wenig befahrene, bergige Umland. Eine Kulisse wie aus dem Katalog, in der das Auto ein wenig gefordert werden darf. Bei 610 PS gar nicht so leicht – oder gerade doch, sollte man das Biest unter Kontrolle halten können. Es ist schon ziemlich cool, ständig einen der 30 eingeführten Sportflitzer zu sehen oder zu hören. Die Reporter haben die Möglichkeit, bis 23:30 Uhr ihren Spaß mit dem R8 zu haben. Somit hört man auch abends auf dem Balkon noch die Motorengeräusche, die sich mit dem Zirpen der aufgeregten Grillen paaren.
Ready - Set - BANANA!
Der Showbetrieb an sich und der Zugang zur Rennstrecke allein machen diese Reise schon zu etwas Besonderem. Für eine Aktion-Maus wie mich genau das Richtige. Doch das ist nur der Beigeschmack dessen, was die nächsten Tage auf mich warten sollte. Nach Ankunft am Freitagnachmittag, habe ich mir die Audi-Show am Abend mal angesehen. Interessant, aber nicht überwältigend. Als Kultur- und Medienwissenschaftlerin hätte ich da einige Verbesserungsvorschläge gehabt. Aber gut, mich fragt ja niemand. Am nächsten Tag soll sich für mich ein Traum erfüllen: Fallschirmspringen!! Boom Baby! Oh Yeah! Ein Tandemsprung aus 4200 Metern Höhe. Menschen sind vielleicht nicht zum Fliegen gemacht, aber einmal Flughörnchen spielen muss drin sein. Es ist absolut atemberaubend! Die Instruktoren und erfahrenen Springer sind nicht nur nett, sondern auch cool drauf. Locker, flockig und freundlich zu den Gästen. Ich bin erstaunlich entspannt, bis zu dem Moment, indem ich mit meiner Springerin in der Tür des kleinen Ex-Militär-Fliegers stehe und auf die Welt herniederblicke, auf die ich gleich zurasen soll. Es ist kühl, sehr windig und verdammt hoch. Die Ausgansposition vor dem Sprung ist eine Bananenform, mit angewinkelten Beinen und überstrecktem Kopf. Nach einem knackigen „Ready – Set – BANANA!“ fallen wir aus dem Flieger. Sobald man die erste Sekunde des Falls überstanden hat, ist das Gefühl unvergleichlich. Man warnte uns vor, dass es sich nicht nach Fallen, sondern eher Schwimmen oder Tauchen anfühle würde. Und so war es. Luft ist eine unglaubliche Naturgewalt. Nach ca. 60 Sekunden des freien Falls öffnet meine mir anvertraute Springerin den Fallschirm – und wir schweben über Portugal. Wow. Sie zeigt mir Strand, Ortschaften und Gebirge. Ihre Arbeit ist die Luft, und man merkt, wie sehr sie sie liebt. Nach einer Landung auf dem Po (damit man
sich nicht die Beine bricht) muss ich erst einmal wieder einen klaren Kopf kriegen. Es ist ein unheimlich tolles Erlebnis, was ich jedem empfehlen kann. Der Preis von knapp 200 Euro lohnt sich absolut, wenn man dafür braungebranntes Land in der portugiesischen Hitze von oben sehen kann. Und dabei fliegt.
... Banana returna?
Das Actionerlebnis ist noch nicht verdaut, da folgt schon das nächste. Am Sonntag fahren wir ans Meer. Und dort kann ich einen weiteren lang gehegten Wunsch in die Tat umsetzen: Jetski fahren! Als kleine Motorrad-Braut die Erweiterung der Straßenerlebnisse auf der Maschine. Ich teile mir einen Flitzer mit einem Freund. Doch die Frau fährt! Und das gar nicht mal so langsam, dafür, dass sie das noch nie gemacht hat. Ich gebe zu, ich habe es mir einfacher vorgestellt. Man unterschätzt die kleinen Wellen und Unebenheiten des Wassers. So fährt man die meiste Zeit nicht, sondern springt. Da Wasser ziemlich hart sein kann, kommt man dementsprechend auch wieder auf der Oberfläche auf. Versucht dabei mal, den Gashebel nicht loszulassen! Die ersten Minuten erinnern an die Gehversuche eines Rehkitzes. Von hinten höre ich in meinen Haaren erstickt „Gib dem Affen Zucker! Schneller!“. Gut. Selbst Schuld. Einmal schaffen wir es, die Maschine mit uns umzukippen. Nicht angenehm, aber fast schon unausweichlich, wenn man rast. Mit leicht zitternden Beinen betrete ich nach 15 gebuchten Minuten wieder festes Land. Der Spaß hat aber noch nicht aufgehört. Am Strand von Alvor gibt es die Möglichkeit, sich hinter einem Speedboot auf einer Banane durchs Wasser ziehen zu lassen. Hehehe… Also geht es mit drei Mann und meiner Wenigkeit auf La Banana! Es ist lustig, aber auch verdammt anstrengend, sich in den Kurven nicht runterschmeißen zu lassen. Da ich mit Adrenalinjunkies unterwegs bin, und diese die Bootsfahrer permanent anstacheln, passiert das Unvermeidliche: Die Portugiesen übertreiben es und werfen und zum Schluss hin ziemlich hart in den Atlantik. Klein-Karina betritt den Strand ein weiteres Mal zitternd und fertig mit den Nerven. Geiles Erlebnis, aber ohne Blessuren nicht möglich. Am nächsten Tag sind meine Beine und der Po voller blauer Flecken. Zudem habe ich eine leichte Zerrung im Oberschenkel, wodurch ich Portugal die nächsten Tage humpelnd erkunde.
Die nächste Woche möchte ich langsam angehen lassen. Fallschirm, Jetski und Banane reichen mir fürs erste an Adrenalin. Ich wohne in einem Appartementhotel, in dem man sich selbst versorgen und den ganzen Tag bei Bedarf auf dem Balkon sitzen oder am Pool liegen kann. Der Kaffee- und Obstvorrat ist somit unerschöpflich! Muahaha. Da werden die wehenden Sommerkleider ausgepackt und der luftige Balkon unsicher gemacht. Portimao ist zwar warm, aber auch gut belüftet. Abends sehe ich mich regelmäßig gezwungen, eine Jacke und je nachdem auch eine lange Hose anzuziehen. Neben Balkon-Sit-Ins fahren wir ab und zu in ein Einkaufszentrum, in dem man nicht nur Lebensmittel kaufen, sondern auch nach Lust und Laune in landestypischen oder internationalen Geschäften shoppen kann. Ironischerweise essen wir einmal in einem Subway zu Mittag. Ich bin erstaunt, wie gut man vor Ort ohne Portugiesisch-Kenntnisse zurechtkommt. Viele Tourismus-Beschäftigte und auch Einheimische sprechen Englisch. Ich finde es fast schon ein wenig traurig, dass ich nach einer Woche nicht mal weiß, was „Guten Tag“  oder „Tschüss“ heißt. Und so genieße ich diese herrliche Auszeit im schönen Portugal in vollen Zügen. Einen Abend lang wird der Strand unsicher gemacht. Ein Anblick wie aus einem Reise-Prospekt muss auch im Sonnenuntergang begutachtet werden! Und ja, es ist so schön, wie es sich anhört.
Mein kleiner Abenteuerurlaub beinhaltet bisher Action im Wasser und in der Luft. Was fehlt? Nein, es ist nicht der Tanz auf dem Feuervulkan. Meine Auto-vernarrte Seele steht schon seit Tagen sabbernd vor jedem der knallroten oder blauen R8s, die täglich über die Rennstrecke düsen. Mit wem muss ich flirten, damit ich mal auf dem Beifahrersitz mitfahren darf? Dem Chefmechaniker! Und als der sagt, ich solle bei einer der Nachtfahrten einfach mal in die Boxengasse kommen, das ließe sich schon regeln, kriege ich mein Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Um 23 Uhr stehe ich also in der herrlich lauten Boxengase und werde von dem mattschwarzen R8 Safetycar eingesammelt. Am Steuer sitzt Audis Chefmechaniker vor Ort. Und was soll ich sagen? Der Ritt auf dem Beast fühlt sich an, wie Achterbahnfahren ohne Schienen. Der Herr am Lenkrad hatte den Wagen absolut unter Kontrolle, und zeigte mir in Kurven und auf den Geraden, was das Schätzchen kann. Nochmal nochmal nochmaaaaal!   

Le Sonnenuntergang am Strand


Ich glaube, es ist klar, wie mein Fazit zu den 7 Tagen im sonnigen Süden ausfällt: Es war der Wahnsinn! Nicht nur, dass ich einen Einblick in eine große Audiproduktion bekommen habe und so ein potenzielles späteres Arbeitsfeld erkunden konnte, nein - auch mein Hang zum Außergewöhnlichen wurde vollends befriedigt. Das Land ist interessant und ein herrlicher Anblick, die Menschen begegneten mir freundlich und mit einem Lächeln im Gesicht. Nochmal? Nochmaaaal!
 

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