Donnerstag, 20. August 2015

Sziget-Festival Budapest - Eine Woche im Land der hübschen Frauen


Main Stage


Ich bin nicht sicher, ob man diesen Trip als Traumreise bezeichnen kann. Budapest ist eine traumhafte Stadt, ja. Doch ich war nicht für das Touristenprogramm in der ungarischen Hauptstadt.
Brüste, Bier und Krawall? Naja, fast…


Es gibt sicher mehrere Gründe, mitten im August nach Ungarn zu fahren. In diesem Fall ist es das Sziget, ein 500.000 Mann Festival über 7 Tage. Das Spektakel findet auf der Margit-Sziget, einer Insel inmitten der Donau statt. Vom 10. bis zum 16. August steht also Spiel, Spaß und Spannung für die ganze Familie auf dem Programm. 
Was ein bisschen Licht alles ausmacht..
Wir reisen am Sonntag vor Festivalbeginn an. Wir haben uns für die Light-Variante entschieden – tagsüber Schwitzen im Dreck, nachts schlafen im sauberen Hotel. Oder war das andersherum? Insgesamt bringen wir eine stattliche Truppe von 8 Mann in den Ring, zwei davon sind Frauen. Nach läppischen 13 Stunden Autofahrt kommen wir in der Stadt mit den angeblich schönsten Frauen der Welt an. Am ersten Tag statten wir uns mit allem Überlebensnotwendigem aus: Festivalbändchen,  7-Tages-Citypass, um die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, Sziget-Festivalpay-Karte. Letzteres ist ein cleveres Prepaid-System, womit man quasi bargeldlos durch den Festivalalltag kommt. Sprich, kein Münzensuchen im Dreck. Wuhuu! 

Hier werden Brücken geschlagen!
Schon beim Eintauschen der Karte gegen ein Eintrittsbändchen merke ich, dass dieses Festival gut organsiert zu sein scheint. Es gibt gefühlt 100 Eingangsschleusen, wo kontrolliert, abgerissen, geklebt und gestanzt wird. Die Menschenschlangen halten sich dementsprechend in Grenzen. Schon bei den ersten Schritten auf dem Gelände höre ich Musik aus allen Richtungen. Lustigerweise ist einer der ersten Stände eine Kapelle im Pavillion, in der man sich verheiraten kann. Gibt es etwas Romantischeres? Bestimmt. Die Insel ist grün und bewaldet, man kann nur wenige asphaltierte Straßen finden. Vom Eingang aus kommt man relativ schnell auf die Fressmeile, die Ihresgleichen sucht. Bude an Bude wird man mit allen möglichen kulinarischen Highlights verwöhnt. Von Burgern mit Pommes über gebratene Sandwiches bishin zu Nudelvariationen – für jeden ist etwas dabei. Ich bin begeistert, als ich vereinzelt Obstbuden entdecke. Für umgerechnet wenig Geld kann man sich hier mit Äpfeln, Bananen, Trauben, Nektarinen und Wassermelone eindecken. Direkt daneben finden sich Eisverkäufer, um die Naschkatzen unter den Besuchern zu befriedigen. Hier habe ich eines Abends das beste Raffaello- und Kinderschokolade-Eis meines bisherigen Lebens kosten dürfen. Schleck!

Wenn man die Fressmeile bis zum Ende hin durchgeht, gelangt man durch einen Zeltwald hin zum Szigetstrand. Eine Besonderheit des Festivals ist das quasi integrierte Campinggelände. Man darf dort zelten, wo Platz ist. Dieses System ergibt überall zwischen Ständen, Bühnen und Buden kleine Campingdörfer. Hängematten sind von Baum zu Baum gespannt und die meisten Bäume sind von Lichterketten umschlungen. Die Lichtarrangements sind atemberaubend. Überall zwischen Bäumen, in Geästen oder an Metallkonstruktionen hängen Lampen, Lampions, Lichterketten oder Ähnliches, was für lauschige Stimmung sorgt. Die Dixi-Städte, die über dem Gelände verteilt liegen, versprühen ihren eigenen Zauber.
Am Strand kann man, wie fast überall auf der Insel, zu Musik tanzen, oder sich am Anblick der Donau ergötzen. Felsbrocken, Baumwurzeln und Holzliegen laden zum Rumlungern und entspannen ein. Das musikalische Wochenprogramm besteht zum großen Teil aus Elektrovariationen, Drum&Base, Weltmusik, Pop, House und ein wenig Rock, Metal und Klassik. Im Prinzip ist für jeden etwas dabei, jedoch überwiegt klar die elektronische Richtung. Schlendert man vom Strand aus auf der anderen Seite der Insel zurück, kommt man an diversen Kleidungsständen vorbei, die legere, bunte Kleidung verkaufen. Die kann man ganz bestimmt rauchen. Ich könnte mich also neu einkleiden, mir Rastas und ein Henna-Tattoo machen lassen und anschließend auf dem mechanischen Bullen neben dem 4x2x2 Meter Gipsturnschuh reiten. Mir gefällts hier. 

Musik ist die ganz klar treibende Kraft auf dieser Insel. Vielleicht auch ein bisschen Alkohol und Gras. Aber nur vielleicht. Auf der Straße geben Dunkelhäutige Bongo-Unterricht, und vor dem Gipsturnschuh spielen Menschen auf Plastikeimern und Blechmüll mitreißende Rhythmen. Es gibt den Cirque du Sziget mit Freak- und Feuershow, ein Schachzelt, einen Hundeschädel und ein Colosseum aus Holz, Handarbeits- und Designzonen, einen Kran zum Bungee-Jumpen, das Luminarium (ein großes Zelt mit Lichtspektakel im Inneren), einen großen, beleuchteten Drachen aus leeren Pfandflaschen, eine Apotheke und einen Rossmann auf dem Gelände und gefühlt 3000 Bühnen. Hier erlebt man das Dolby-Surround-System der Festivalbeschallung. Und Menschen. Überall Menschen! Und alle sind jung und gutaussehend. Vor allem die hohe Dichte an hübschen Frauen fällt auf. Dank durchgehend 36 Grad Tagestemperatur sind diese auch noch halbnackt. 
Nach dem ersten Festivaltag pendelt sich langsam ein Rhythmus ein: Abends zwischen 18 und 20 Uhr aufs Gelände, bis in die Nacht feiern und tanzen, zwischen 3 und 8 ins Bett und dann bis nachmittags schlafen. Huiuiui… das ist anstrengend. Ich bewundere jeden, der die 7 Tage im Zelt auf der Insel verbringt. Ein paar Abende läuten wir mit einer kleinen Besichtigungstour der Budapester Altstadt ein. Diese Aspekte des Urlaubs haben mir am besten gefallen. Spazieren an der Donaupromenade, Essen im Sonnenuntergang und der beleuchtete Palast sowie das Parlament. Es gibt eine Szigetfähre, die die Besucher von der Innenstadt die Donau rauf bis zur Insel bringt. Eine Fährfahrt, die ist lustig, eine Fährfahrt, die ist schön… Ein tolles Angebot! Vor allem, da die Fahrt im Citypass inklusive ist. Den letzten Abend lassen wir mit Limp Bizkit und Martin Garrix ausklingen, bis ein Gewitter die Festivalbesucher durchnässt. 

Budapester Palast
Die 7 Tage Ausnahmezustand in Budapest sind auf jeden Fall erlebenswert. Das Festival ist verdammt gut organisiert, jedoch wird es von Freitag bis Sonntag ziemlich eng. Das Sziget vereint junge und alte Menschen aller Nationen unter der Flagge des Spaßes und der Musik. Ich persönlich habe keinen unfreundlichen Menschen erlebt. Selbst wenn man einander angerempelt hat – was zwingend vorkam – entschuldigten sich beide Seiten höflich. Klar bleiben bei so vielen Feierwütigen Kollateralschäden nicht aus. Ich fahre jedenfalls mit positiven Erinnerungen und Eindrücken nach Hause.     


1 Kommentar:

  1. Toller Nachbericht! Das Sziget hat mich früher immer gereizt, mittlerweile würde sich die Anfahrt für meinen Geschmack aber wohl nicht mehr lohnen, da, wie du schon sagtest, die elektronische Musik Überhand genommen hat und nur mehr ganz wenige für mich relevante Künstler dort auftreten. Das ist schade, da ich immer nur durchweg Positives vom Sziget höre. Vielleicht verbinde ich einen kurzen Besuch am Festival aber auch einfach mal mit einem Städtetrip :)

    AntwortenLöschen