Donnerstag, 26. November 2015

Geben oder Gegeben werden?


Vor kurzem habe ich einen interessanten Spruch gelesen: „Wer niemals aufhört zu geben, wird nie allein sein“. Als ich mit einem Freund darüber redete, sagte er: „Es ist doch so, dass du schon gibst, wenn du nur anwesend bist. Du gibst deine Zeit, dein Selbst“. Ich fing an, darüber nachzudenken.
Wie viel Geben ist genug? Wie viel ist zu viel? Was heißt Geben? Was ist zu wenig? Und wer ist in der Lage, darüber zu urteilen? Zuletzt: Wie verhält sich das Nehmen zum Geben


Es gibt unterschiedliche Arten des Gebens. Wir geben, wenn wir jemandem ein Geschenk machen. Ein Buch, eine Tafel Schokolade, ein Strauß Blumen. Materielle Gegenstände bilden den Ursprung des Gebens. Doch was ist, wenn wir jemanden Umarmen, wenn es ihm schlecht geht? Wenn die beste Freundin nach einer Trennung die ganze Nacht mit dir auf dem Bett sitzt und redet? Wenn wir 300 km für jemanden fahren, nur um ihn eine Nacht zu sehen? Auch das ist Geben. Ich bezeichne es als eine Art zweite Ebene des Gebens, die emotionale Ebene. Auf der materiellen Ebene geben wir oft aufgrund von Anlässen. Geburtstagen, Hochzeiten oder einer Einladung zum Abendessen. Man muss der Person nicht unbedingt nahe stehen. Die emotionale Ebene fordert eine persönliche, oft tiefgründige Beziehung zu der Person. Diese Beziehung kann eine Freundschaft sein, eine Partnerschaft, Familie oder einfaches, wunderbares Verliebt-Sein. Natürlich kann man die Ebenen nicht so hart und genau differenzieren. Beispielsweise kann man mit einer Person verwandt sein, sie aber nicht ausstehen. 

Ich möchte mich weiter mit dem emotionalen Geben beschäftigen. Wir geben aufgrund von Gefühlen. Damit machen wir die Gefühle sichtbar. Das können zwar auch Worte – aber Worte sind sehr oft falsch. Eine Umarmung kann zwar auch falsch sein, aber ich stelle die These auf, dass man es in dem Fall leichter merkt. Wir spüren es. Wir spüren, wenn uns jemand nur umarmt, besucht, küsst, um etwas zu erreichen. Möglicherweise, um eine bestimmte Gegenleistung zu erhalten.
Das Thema Gegenleistung, ich nenne es Nehmen, ist schwierig. Wenn wir jemanden mögen, sogar lieben, geben wir, damit es der Person gut geht. Auch, um zu zeigen, wie gern wir sie haben. Dennoch hofft man, von der Person auf gleiche Art und Weise wertgeschätzt zu werden. Wenn auf lange Sicht diese Wertschätzung nicht eintritt, sind wir enttäuscht. Vielleicht sogar verletzt. Ist das gerechtfertigt? Oder „stellt man sich dann an“? Wie viel ist genug? Gibt es da überhaupt eine Regel, oder macht jeder seine eigenen Regeln?

Ich habe das Gefühl, dass ich mit jedem Satz, den ich schreibe, ein noch größeres Fass aufmache. Ein noch größerer Themenkomplex, den es zu ergründen gibt. Warum sollte man sich schlecht fühlen, wenn man etwas für einen Menschen tut, den man liebt?
Ich denke, man darf in vielen Dingen seine eigenen Regeln machen. Und niemand ist in der Lage, über den anderen und seine Regeln zu urteilen. Am Ende stehen persönliche gegen gesellschaftliche Vorstellungen. „Das macht man nicht“. Ich könnte ganze Seiten zu dem Thema füllen. Doch soll an dieser Stelle Schluss sein.
Macht euch doch  mal eure eigenen Gedanken zu dem Thema, und lass uns daran teilhaben.   

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